Die Geschichte der Schokolade



Speise aus dem Paradies
Xocoatl (Schokoladewasser) nannten die Azteken den Kakao, der von ihnen als scharfes, eher salziges Getränk aus Kakaobohnen, Maismehl, Kaneelrinde, Chilipfeffer, Honig und Vanilleschoten unter Zusatz von Wasser zubereitet wurde. Schokolade erfreue, erfrische, tröste und kräftige jeden, der sie trinke, schreibt ein spanischer Chronist über den Konsum des Kakaos. In einem Bericht eines Offiziers aus dem Heer von Fernando Cortez heisst es: «Dieses Getränk ist ungemein gesund und nahrhaft. Wenn man eine Schale davon getrunken hat, kann man den ganzen Tag lang reisen, ohne weiteres Essen zu benötigen.» Für die Azteken war der Kakao göttlichen Ursprungs. Chat Ekchuah, der Gott des Kakaobaumes, hatte den Menschen diese «Speise der Götter» geschenkt.

Wonne des Gaumens
Den süssen Schokoladetrunk sollen die Nonnen eines Klosters in Chiapas um das Jahre 1550 erfunden haben. Sie kochten eine Mischung aus gerösteten Kakaobohnen, zerstampften Vanilleschoten und Rohrzucker zusammen auf.
Schokolade blieb lange ein Luxusgetränk an den europäischen Fürsten- und Königshöfen. Erst Anna von Österreich, die 1615 König Ludwig XIII. heiratete, machte die Schokolade in Frankreich populär. Sie gab einem Obersten Chailllion das alleinige Vorrecht, Schokolade zu produzieren und zu verkaufen. Er richtete 1675 die erste Schokoladenstube in Paris ein. Schon 1657 war in London ein erstes Schokoladenhaus eröffnet worden.

Universelles Hausmittel
Schokolade war anfänglich in Deutschland neben anderen neuweltlichen Pflanzen wie Piment, Kürbissamen, Aloe, Tabakblättern, Chinarinde, Papaya, Ananas, Styraxharz unter dem Namen «choccolata indica» Apothekerware.
Der Verfasser der Schrift Curieus und offenherziger Wein-Arzt empfahl 1753 Schokolade mit Zucker, Vanille, Zimt und Eiern in Wasser, Milch oder Wein (!) gekocht als universelles Hausmittel in allen Lebenslagen. 1756 errichtete Wilhelm von der Lippe in Steinhude die erste Schokoladenfabrik. 1798 nennt ein Fabriken- und Manufacturen-Adresslexikon bereits 10 weitere Fabriken. Im Jahre 1800 gab es allein in Hamburg 400 Zuckerbäcker, die die köstlichen Schokoladenleckereien herstellten. Mitte des 19. Jahrhunderts stand Deutschland an der Spitze der konsumierenden Kakao-Länder in Europa.

Balsam für die Seele
Ab Mitte des 20. Jahrhunderts wandelte sich das Image der Schokolade von einem Heil- und Genussmittel für den Körper mehr und mehr zu einem Heil- und Genussmittel für die Seele.

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